Was sind schon 9.579 Kilometer? Die Distanz zwischen San Diego, einer DER Metropolen für melodischen Cali-Punkrock mit Suchtfaktor, und ihrer Heimatstadt Bern war für The Nutcutters nie ein Problem: Griffige Songs mit einem sicheren Händchen für Hooklines, Drive und zwingende Singalongs funktionieren auch dort, wo keine Palmen wachsen. Der beste Beweis: A Decade Of Change, das dritte Studioalbum der Nutcutters. „Nach mehr als 10 gemeinsamen Bandjahren haben wir unseren eigenen Touch gefunden“, ist Gitarrist Chris überzeugt. „Wir hoffen, dass wir die Leute ein paar Mal überraschen können.“
Mit der Erfahrung von zwei gelungenen Alben im Rücken geben sich The Nutcutters 2013 nicht mehr mit drei, vier Akkorden in zwei, drei Songminuten zufrieden. „Unser vorangegangenes Album Clyde war witzig, süß und manchmal auch poppig“, blickt Chris zurück ins Jahr 2010. „Danach wollten wir uns aber weiterentwickeln. Die neuen Songs erweitern unser Spektrum. Sie klingen mal rockiger und auch mal düsterer, halten aber trotzdem unserem Stil die Treue.
“The Nutcutters nahmen sich alle Zeit, die A Decade Of Change zum Reifen benötigte und hatten hinterher die Qual der Wahl aus Dutzenden von Songs.

„Wir haben zuerst intensiv am Songwriting gearbeitet und dann Wert auf einen entspannten Aufnahmeprozess gelegt“, erklärt Chris. „Anstatt in ein teures Studio zu gehen haben wir dieses Mal das ganze Album selbst produziert.“ Die Aufnahmen dauerten gut 11 Monate, den Feinschliff für die auserwählten Songs besorgte dann Dan Precision (Rise Against, 88 Fingers Louie, Soulscape, Break The Silence) in den Bombshelter Studios/Chicago.
Gleich mit dem ersten Handstreich für A Decade Of Change legten The Nutcutters die Messlatte hoch: Alibis hat den rastlosen Puls des Punkrock und steigert sich zu einer clever ausbalancierten Hymne, die vor Hooks nur so strotzt. The Nutcutters wollen mit A Decade Of Change mehr, und zwar von allem. Mehr Spielfreude und Wucht, mehr Überraschungsmomente und Tiefgang, mehr Grip und Gitarren. Dafür wuchsen sie im neunten Bandjahr vom eingespielten Trio bestehend aus Jake, Chris und Normen zum vielseitigeren Vierer: 2011 kletterte Paul Anthony als zweiter Gitarrist an Bord. „Ihn in der Band zu haben, ist das Beste, was uns passieren konnte“, freut sich Schlagzeuger Normen über den Glücksgriff. „Sein Einfluss und seine Ideen sind genial!“ Mit dem neuen Line-Up entdeckten The Nutcutters auf Anhieb ganz neue Möglichkeiten.

Die schöpfen sie auf A Decade Of Change aus: mit acht Händen und einem starken Instinkt für die richtige Dosis Rock im melodiebetonten Pop-Punk. On The Top beispielsweise besäuft sich zuerst an Harmonien und stolpert dann unverhofft in einen Zwischenteil, der mächtig groovt. Speak The Truth macht sich mit viel Drive auf die Suche nach der Wahrheit, als seine Bandkollegen plötzlich den Sänger Jake mit sich und seiner Stimme alleine lassen. Warum? Weil sie wissen, dass da nichts anbrennt: Der Mann am Mikro hat die Klasse, um ruhige Momente ebenso zu meistern wie einen ansteckenden Refrain. Manchmal kann es aber auch ganz schnell gehen.

Der atemlose Zwei-Minuten-Sprint I See The Money In Your Face folgt nur einem Gebot: Wer bremst, verliert. Noten, Worte und Melodiefetzen fliegen durch die Takte, ehe der Song mit einem durchschlagenden Basslauf über die Ziellinie schlittert. Und weil Vielfalt für The Nutcutters 2013 Trumpf ist, haben sie auch das Gegenteil von hochmelodischer Raserei im Programm. Beispielsweise mit To Hell With You, das auf breitbeinigen Riffs daherkommt und seine unmissverständliche Ansage mit einem trocken rockenden Soundtrack unterstreicht.

Oder What You See Is What You Get, das die Fünf-Minuten-Marke knackt und gegen Ende in einem grellen Gitarrensolo explodiert. Die Ideen und musikalischen Details, die The Nutcutters hier bündeln, hätten auch für zwei gute Songs gereicht. The Nutcutters liefern aber lieber Klasse statt Masse – und schnüren gerne mehr als das Nötigste in einen herausragenden Song.

The Nutcutters stapeln ihr drittes und reifstes Studioalbum bis unters Dach voll mit allem, was packende Punkrock-Songs brauchen. Gelegentlich gehören dazu auch handverlesene Gäste, wie Chris berichtet: „Neben Muriel Rhyner (The Delilahs) die uns für ‚Paranoid’ ihre Stimme leiht ist auch Dan Precision (88 Fingers Louie) bei ‚Wash Your Brain’ dabei.“ Wenn die Welt gerecht ist, haben The Nutcutters mit A Decade Of Change ihre Fahrkarte ins gelobte Land des Punkrock gelöst. Alle einsteigen, nächster Halt: San Diego!

LINE-UP:
Jake – Bass, Vocals / Chris – Guitar, Vocals
Normen – Drums / Ric – Guitar










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